Datum 11.06.2008 | Thema: Veranstaltungen


“I guess this is our last goodbye”
Vorletztes Deutschlandkonzert einer Musiklegende.Knapp 50.000 Zuschauer in der (fast) ausverkauften LTU-Arena feierten Abschied mit The Police. Wegen Stings Stimme war der ursprüngliche Konzerttermin von „The Police“ im Oktober letzten Jahres abgesagt worden; der Sänger litt unter einer Halsinfektion. Unter anderem wegen Stings Stimme wurde das am vergangenen Sonntag nachgeholte Konzert in der Düsseldorfer LTU-Arena zu einem großartigen Musikerlebnis und sorgte beim Publikum für Begeisterung.

Übrigens ebenso wie die mal wieder oft und gerne angewandten Deutschkenntnisse des 56jährigen Briten, so beispielsweise bei der Verkündung des aktuellen Zwischenstandes beim Spiel der deutschen Fußballnationalelf gegen Polen.

Dabei waren offenkundig alte Wegbegleiter der Band aus ihren Hochzeiten zu Anfang der 80er Jahre genau so im Publikum vertreten wie junge Leute, die das Trio wohl zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal live auf der Bühne erleben durften. Geboten wurde allen Altersstufen eine Anhäufung von Hits, beginnend mit „Message in a bottle“ und „Walking on the moon“, dicht gefolgt von „Don’t stand so close to me“ und „Every little thing she does is magic“, „Invisible sun“; „Wrapped around your finger“ oder „De do do do, de da da da“.

Freunde der leisen Töne waren an diesem Abend unter dem (geschlossenen) Dach der Arena falsch aufgehoben; was den Zuschauern auf den insgesamt sechs Videotafeln und der großen Videowand gleich hinter der Bühne geboten wurde, muss man nicht nur hinsichtlich der Menge bekannter Melodien, sondern auch und insbesondere bezogen auf die Intensität als musikalisches Dauerfeuer bezeichnen. Während Copeland, Summers und Sting sich bei Auftritten der vergangenen Monate zeitweise als vermeintlich altersschwach präsentiert hatten, spielten sie am Sonntagabend lauter, energiegeladener und schlicht rockiger als zuvor. Insbesondere Andy Summers ragte hierbei positiv hervor.

Der inzwischen 65jährige Gitarrist ließ sich sein hohes Alter nicht anmerken und holte aus seinem Instrument das letzte heraus, zeigte sich insbesondere in seinen minutenlangen Soli kreativ wie zu seinen besten Zeiten. Die alten Klassiker waren von der Gruppe für die aktuelle Tournee zwar teilweise erheblich umarrangiert worden, jedoch immer nur soweit, dass eine Wiedererkennung jederzeit gewährleistet blieb. Insgesamt zeigte sich Summers genau wie auch Schlagzeuger Stewart Copeland oder Sting an seiner Baßgitarre wesentlich spiel- und risikofreudiger als bisher. Ihrem ursprünglichen Konzept, dem „Mut zur Lücke“, das möglicherweise auch eines der Erfolgsrezepte der Band gewesen war, blieb das Trio dabei jedoch weiterhin jederzeit treu. Trotz der nur drei eingesetzten Instrumente entstand aufgrund cleverer Arrangements und sinnvoll verwendeter Effekte nie der Eindruck, es würde etwas fehlen.

Nach nur etwas über einer Stunde verabschiedete sich Sänger Sting zum ersten Mal mit „Thank you, goodnight“, dies jedoch nur, um mit den anschließenden Zugaben noch fünf weitere große und laute Ausrufezeichen zu setzen. Es folgten die schlicht unvermeidlichen „Roxanne“, „King of Pain“, „So lonely“ und natürlich „Every breath you take“, abgerundet durch den ersten Titel des ersten Albums der Band, „Next to you“, was zu einer gesamten Spielzeit von ca. 105 Minuten führte.

Hinsichtlich der Dezibel lieferten „The Police“ mit ihrem letzten Song vor der Zugabe, einem Medley aus „Can’t stand losing you“ und „Regatta de blanc“ die Höchstwerte des Abends ab. „I guess this is our last goodbye“, also „Ich schätze das hier ist unser letztes Auf Wiedersehen“, singt Sting mit einem bitteren Unterton, als wolle er noch einmal unterstreichen, dass es nach Abschluss dieser Reunion-Tour im August mit einem Konzert im Madison Square Garden keine weiteren gemeinsamen Auftritte der Band mehr geben wird. Hinsichtlich seiner weiteren Solokarriere macht der in seinem Schloss in der Nähe von London lebende Engländer dem Düsseldorfer Publikum jedoch Hoffnungen: „Vielen Dank, auf Wiedersehen“, ruft er den begeisterten Zuschauern zu, bevor alle drei Musiker zum letzten Mal von der Bühne der LTU-Arena verschwinden.


Setliste:

Message in a bottle
Walking on the moon
Demolition Man
Voices inside my head/ When the world is running down
Don’t stand so close to me
Driven to tears
Hole in my life
Every little thing she does is magic
Wrapped around your finger
De do do do, de dad a da
Invisible sun
Can’t stand losing you

Zugabe 1:
Roxanne
King of Pain
So lonely
Every breath you take

Zugabe 2:
Next to you

Ein Konzertbericht von Marc Pielsticker.

Das letzte Deutschlandkonzert geben
The Police am 28.6.2008 in Leipzig.




Dieser Artikel stammt von RADIO fresh80s
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