COSA ROSA: "Singen, tanzen, spielen, eine Liebe..."

Datum 06.09.2015 | Thema: RADIO fresh80s


COSA ROSA: "Singen, tanzen, spielen, eine Liebe..."
Am 03.05.1952 erblickte eine gewisse Rosemarie Precht das Licht der Welt. 31 Jahre später lief ein Titel in sämtlichen Radio-Stationen rauf und runter. "Rosa auf Hawaii". Text hatte dieser Song, außer "...dadadiaodijei..." nicht (viel), aber eine tolle und eingängige Melodie. Der Song blieb im Ohr und machte neugierig auf die Stimme, die das sang. Wer war'n das? Die Öffentlichkeit wurde aufmerksam auf ein Projekt namens "COSA ROSA". Die Single "Rosa auf Hawaii" etablierte "COSA ROSA". Jetzt hatte man zwar einen Namen, jedoch wußte man immer noch nicht genau: Wer war'n das? "COSA ROSA" war das gemeinsame Projekt von Spliff-Keyboarder und Nena-Produzent Reinhold Heil und besagter Rosemarie Precht.
COSA ROSA: "Singen, tanzen, spielen, eine Liebe..."
Rosa war ursprünglich studierte Architektin und widmete sich aber nebenbei immer ihrer Leidenschaft, der Musik. Als "Rosa auf Hawaii" mit dem dazugehörigen Album "Traumstation" (CBS) 1983 für durchweg gute Kritiken bei den Musik-Redakteuren sorgte, war die blonde, gutaussehende 31jährige Sängerin jedoch schon längst keine Unbekannte mehr in der Musik-Szene.

Cosa RosaEtwas früher: In der Frauen-Band "Insisters" bediente sie die Tasteninstrumente. Das Album "Moderne Zeiten" wurde veröffentlicht. Die Musik, die "Insisters" machte, war aber nicht das, was Rosa jeden Tag hören oder selber machen würde. 1981 steigt sie aus der Gruppe aus, um in der Band von keiner geringeren als "Ulla Meinecke" mitzuspielen. Sie geht mit ihr zusammen auf Tour. 1982 fängt die Musikerin an selbst zu komponieren. Reinhold Heil, seit 1976 der Lebensgefährte von Rosa, hörte das Material und beschloß ein gemeinsames Projekt zu starten. In einem Interview mit "Deutsche Mugge" erzählte er 2006: "Ich hatte mich wirklich lange genug dagegen gewehrt, meine Freundin (die Architektin und Hobbymusikerin) als Kollegin zu akzeptieren. Aber das waren einfach zu erdrückende Beweise für ihr überbordendes Talent."

Das erste Album "Traumstation" (welches nur mit Synthesizern und Rhythmusmaschinen aufgenommen wurde; Ausnahme das Saxophon bei "Die Frau ist'n Kerl") war ein Sammelsurium von Songs, die Reinhold Heil geschrieben hatte, bei "Spliff" aber übriggeblieben waren, weil sie nicht in das Bandkonzept paßten und Rosa's eigenen Sachen. Und genauso klingt das Ergebnis auch. Irgendetwas wirkt nicht stimmig, und trotzdem hat dieses Werk seinen ganz eigenen Reiz. "Her mit dem Kindergeld" erzählt eine sehr fantasiereiche Geschichte, wozu man Kindergeld auch sonst noch verwenden könnte. "...ich will die U-Bahn kaufen, das wäre schön - nen Bahnhof aus Kristall, ihr werdet schon seh'n..." Bei "Na komm' schon" heißt es im Refrain: "...na komm' schon - wer nichts riskiert, verblödet garantiert...wer nichts riskiert wird seh'n, was er dabei verliert..." Textlich und musikalisch zeichnete sich bei "Traumstation" schnell ab, daß man sich auf eine weitere wunderbare Entwicklung bei "COSA ROSA" freuen durfte. So viel Potential, versammelt auf einem Album.

Die ausgekoppelte Single "Rosa auf Hawaii" wurde extra für die Radio-Sender bearbeitet und ist nicht identisch mit der Album-Version. Insgesamt gab es zwei Auskoppelungen aus "Traumstation". "Im freien Fall" war die allererste Single von "COSA ROSA" überhaupt. Da Rosa neben ihrem eigenen Projekt auch bei Ulla Meinecke in der Band spielte, ergab es sich, daß sie auch dort den ein oder anderen Song beisteuerte. "Süsse Sünden" erschien 1983 auf dem Meinecke-Album "Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig".

Cosa Rosa"Formel Eins" (1983-1990) war in den Achtzigern die angesagteste und schlichtweg einzige Musik-Sendung, in der Musik-Videos aus den aktuellen Charts bundesweit gespielt wurden. Es wurde immer wichtiger nicht nur im Radio gespielt zu werden, sondern auch eine visuelle Umsetzung der entsprechenden Singles zu präsentieren. "COSA ROSA" drehten zusammen mit Michael Bentele (seinerzeit "Formel Eins - Regisseur") in München einen Clip zu "Rosa auf Hawaii". Als Special Guest war Eisi Gulp mit am Start. Auch zu "Her mit dem Kindergeld" wurde ein Video produziert. Die Rakete "COSA ROSA" war gezündet. Rakete? Ein gewisser Jim Rakete (eigentlich Günther Rakete) hatte in der Zeit von 1977 bis 1987 in einer Kreuzberger Fabriketage eine Fotoagentur mit dem schlichten Namen "Fabrik". Segitzdamm 2 in 1000 Berlin 61. Diese Adresse konnte man auf vielen Back-Covern in den achtziger Jahren lesen. Eigentlich arbeitete er als Fotograf und Fotojournalist, betreute aber Ende der Siebziger bis Ende der Achtziger viele Künstler als Manager und/oder Fotograf. Darunter befanden sich u.a. Nena, Die Ärzte, Spliff und auch COSA ROSA.

1984 veröffentlichte "COSA ROSA" die Single "Gefühle". Diese war sozusagen das Bindeglied bis zum nächsten erscheinenden Album. "Musik-Express Sounds" schrieb: "..."COSA ROSA" auf der Suche nach Gefühlen..." Im Juli 1985 erzählte Rosa Andreas Hub im "Fachblatt Musikmagazin": "Man hat mir ja vorgeworfen, ich würde von mir selbst nichts preisgeben. Bei diesem Lied dachte ich dann, da habe ich mich offengelegt bis auf's Hemd. Für mich war das ein Schritt in die totale Offenheit und das wollte ich auch beibehalten..." "Gefühle, die sind so schön und die tun so weh, sie kommen und sie gehen - geschmolzener Schnee..." oder "Gefühle hinter einer Haut aus Pergament, die lass' ich raus im falschen Moment..."

Rosemarie Precht war nicht nur eine virtuose Keyboardspielerin, sondern auch eine ausgezeichnete Texterin und Sängerin. Ihre Songs hatten etwas "sphärisches", ein bißchen wie aus einer anderen Welt. Sie waren weder versponnen noch weit hergeholt. Sie waren einfach anders. Dazu ihre glockenhelle und klare Stimme. Rosa selbst sah sich als Sängerin in den tieferen Tonlagen zuhause. Die mittleren empfand sie eher als schwierig, weil ihre Stimme da einen Bruch hatte, wie sie im Interview mit "Fachblatt Musikmagazin" erzählte. Ebenfalls 1984 konnte man ihren Namen auf der LP von Alan Woerner, der mit dem Ton Steine Scherben-Klassiker "Lass' uns 'n Wunder sein" 1985 seinen größten kommerziellen Erfolg hatte, lesen. Das Album enthielt neun Songs und Rosa war als Gast-Sängerin bei insgesamt drei Titeln mit dabei. Auf dem Album mit dem passenden Namen "...bis irgendwas passiert" (CBS), gab es auch ein Lied, welches sich "Rosa" nannte. Früher habe ich doch glatt gedacht, daß Alan Woerner diesen Song über sie, also Rosa, geschrieben hat. Da war ich 13.

Mitten in der Arbeit für das kommende Album "Kein Zufall" erkrankte Rosemarie schwer. Eine "COSA ROSA-Tournee" hatte es deshalb nie gegeben. Öffentlich wollte sie das damals nie machen, deshalb sei es auch an dieser Stelle nur kurz erwähnt. Die Single "In meinen Armen" erschien und war die erste von insgesamt vier Auskoppelungen aus "Kein Zufall". Auch die "Brücken-Single" "Gefühle" befand sich auf der neuen LP. Single und Album-Version sind hier ebenfalls nicht ganz identisch, da die Single-Ausgabe insgesamt ein wenig länger ist. Am Ende wird der Refrain zweimal, statt wie in der Album-Version nur einmal gesungen.

"In meinen Armen" entwickelte sich zum Radio-Liebling und Rosa trat damit u.a. in der ZDF-Hitparade auf, die zu der Zeit bereits von Viktor Worms moderiert wurde. Sie saß am Klavier und sang live zum restlichen Playback. Ihre Mimik und Präsenz zeigten auch hier deutlich, daß sie das Zeug zu einem Star hatte. Auch, wenn die alleinige Aufmerksamkeit, die ihr auf der Bühne im Projekt "COSA ROSA" zuteil wurde, fast schon ein bißchen zu viel war. "Kein Zufall" schaffte es bis auf einen ansehnlichen Platz 40 und konnte sich acht Wochen in den Charts halten. Das Album beinhaltet unheimlich viele kleine und größere musikalische Leckerbissen und ist mit einer Vielschichtigkeit in Gesang,Text und technischen Raffinessen ausgestattet, daß es eine Freude ist, die Platte auch ein zehntes Mal hintereinander zu hören, ohne genervt den ein oder anderen Titel zwecks Überhörung zu überspringen. Mit Curt Cress (Schlagzeug) und Peter Weihe (Gitarre) hatte man zusätzlich zwei sehr erfahrene und hochkarätige Musiker engagiert. Rosa selbst beweist auf diesem Album ihre hervorragenden gesanglichen Qualitäten.

Cosa RosaIn die ZDF-Hitparade schaffte es Rosa insgesamt zweimal. Mit "Millionenmal" erreichte sie ihren größten Erfolg und war mit diesem Titel natürlich auch in der "Hitparade" zu Gast, wo auch ich ihr kurz vor der Generalprobe begegnen durfte. Der Song katapultierte sich in die Top Ten der Verkaufs-Charts. Ein Radio-Dauerbrenner ist er bis heute. "Millionenmal" ist DAS "COSA ROSA"-Lied, mit dem fast jeder Rosa identifiziert. "...ich spucke in die Luft und warte was passiert...manche mögen Männer mit Millionen - manche mögen Männer mit Moral..."
Die nächste Single hieß "Riesenrad" und war musikalisch komplett neu bearbeitet und hatte nichts mehr mit der Album-Version zu tun. Schneller, radiotauglicher.

"Millionenmal" und "Riesenrad" waren zusätzlich zu den Single-Varianten auch als Maxi-Single" erschienen. Die B-Seite von "Millionenmal" enthielt einen wunderbaren Titel mit dem Namen "Morgenluft". Kein Text, sondern wie bei "Rosa auf Hawaii" erklingt Rosa's Stimme engelsgleich zur Musik. Dieses Lied versprüht so viel gute Laune und Lebensfreude, daß man es immer anhören sollte, bevor man sich die Nachrichten ansieht.

Auch das DDR-Label AMIGA veröffentlichte als "AMIGA Quartett" "COSA ROSA" und hatte dafür "In meinen Armen", "Millionenmal", "Gefühle" und "Trübe Tassen" ausgewählt. 1985 war ein sehr erfolgreiches Jahr für Rosa. Für Nena, mit der die Medien Rosa gerne verglichen, ging es in diesem Jahr nach drei Jahren auf der Erfolgs-Überholspur langsam bergab. Der Longplayer "Feuer & Flamme" verkaufte sich zum damaligen Zeitpunkt noch rund 255.000 mal, was aber immerhin noch "Gold-Status" bedeutete. (Zu der Zeit gab es für 250.000 verkaufte Exemplare "Gold" und für 500.000 "Platin"). Rosa sang neben Nena die "Backing Vocals" für den Song "Utopia". Carlo Carges, der mit "99 Luftballons" den Nena-Hit schlechthin geschrieben hatte, äußerte sich im 1984er Buch "Nena: Songs & Photos" folgendermaßen zu seinen weiteren zwei Träumen, die er zu diesem Zeitpunkt verfolgen wollte: "...mit COSA's ROSA eine Band "Short People" zu gründen und Keith Richards unter den Tisch zu trinken..."

Cosa RosaNur ein Jahr später, 1986, sollte das dritte und letzte Album der begabten Musikerin erscheinen. Als Vorab-Single wählte man einen wunderbaren Pop-Song. "Puppe kaputt". "...die Automatik defekt, das Gewissen versagt, ab heute geht's nur noch ab und nicht zu knapp. Vom eigenen Gelächter aus dem Schlaf gerissen, stehst du auf und hast im Glashaus mit Steinen geschmissen..." "Puppe kaputt" schaffte es in die Top 100. Das folgende Album mit dem schlichten Titel "COSA ROSA" war voller melodischer musikalischer Klangbilder und wunderschöner Geschichten, die Rosa mit ihrer gefühlvollen Stimme prägte. Mit "Was ich will" wurde noch eine weitere Single ausgekoppelt. Es sollte die letzte Veröffentlichung von ihr bleiben.

Wenn man die Musik von "COSA ROSA" mit dem Begriff "sphärisch" bezeichnen möchte, dann war dieses Album ganz "besonders sphärisch". Es enthält wunderbare Textzeilen, die für sich allein genommen fast so etwas wie ein Statement sein können: "...der Unsinn des Lebens treibt uns an den Rand..." heißt es in "Hart am Rand" oder "...wir Menschen sind mutig, haben keine Angst vor uns selbst - gut gelaunt ins Verderben..." in "Morgens um Vier".

Das Textmaterial von "COSA ROSA" ist voller Leben, Träumereien und kleineren und größeren Gefühlen. Kein Einheitsbrei. Sensibilität und ein Gespür für's Erzählen bewies Rosemarie Precht in ihren Songs. Gesungen von einer unverwechselbaren Stimme, die es schaffte gefühlvoll und kraftvoll gleichermaßen zu klingen, wenn die Songs es verlangten.

1987 wurde es immer stiller um die damals 34jährige Sängerin. Ende der Achtziger hieß es dann in der Presse, daß es ihr gesundheitlich sehr schlecht ginge. "...ich muß jetzt geh'n, damit ich wiederkommen kann", sang sie in "Oase". Am 31. Januar 1991 starb sie an Magenkrebs. Rosemarie Precht wurde im niedersächsischen Walsrode OT Benzen beigesetzt. Geblieben ist die Musik einer außergewöhnlichen Künstlerin, die ein besonderes Gespür für poetisch-lyrische Texte hatte, gepaart mit einer unverwechselbaren gefühlvollen und gleichzeitig kraftvollen Stimme. "...singen, tanzen, spielen, eine Liebe..."

Daniela Herbig

Hinweis
Viele interessante Fotos und Videos zu Cosa Rosa gibt es begleitend zu diesem Artikel auf der Homepage von Daniela Herbig unter: http://www.dalila-light.de/must-have/cosa-rosa-fotos-videos/

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Text: Daniela Herbig
Fotos: Audioarchiv RADIO fresh80s




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