EAV: "Schnudldidlhap"!

Datum 21.08.2015 | Thema: Musiknews


EAV: "Schnudldidlhap"!
"Die Zukunft ist der Alpen-Rap". Wie jetzt? Ist so: "Sepp, Sepp mach' sie heiß mit deinem Edelweiss." 1983 sorgte in der ZDF-Hitparade ein Rock-Theater aus Österreich für Stirnrunzeln, Fragezeichen und vorsichtiger Neugier bei den Zuschauern. Was waren das für 7 Typen, die in aufwendigen Kostümen da auf der Bühne eine Show ablieferten, die nun so gar nicht in die wöchentliche Hitparaden-Welt zu passen schienen? "Erste Allgemeine Verunsicherung". Der Name der Band konnte den Zustand der Zuschauer wohl nicht treffender beschreiben. Man war sichtlich verunsichert von dem, was sich da vorne auf der Hitparaden-Bühne abspielte. Erst verunsichert, dann amüsiert und geradezu entzückt. Aber bitte nur nicht zu viel davon anmerken lassen!

EAV: "Schnudldidlhap"!
Die NDW (Neue Deutsche Welle) hatte Anfang der Achtziger ohnehin schon für frischen Wind in der deutschen Musik-Landschaft gesorgt. Jetzt wurde es richtig frisch mit der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Von diesem Auftritt in der Oberlandstraße auf dem Gelände der "Berliner Union Film" an, ging es langsam aber stetig bergauf für die 1977 gegründete Band. Mitte der Achtziger schaffte die EAV den kommerziellen Durchbruch und eroberte mit ihren humorvollen und kritischen Texten die Charts in Deutschland und Österreich. Ihr 1985 erschienenes Album "Geld oder Leben" konnte sich 78 Wochen in Österreich auf Platz 1 behaupten. In Deutschland ganze 60 Wochen auf Platz 10. All die wunderbaren Klassiker, die Generationen bis heute verbinden enthielt das Erfolgs-Album. "Ba-Ba-Banküberfall", "Märchenprinz", "Fata Morgana", "Heiße Nächte (in Palermo)". Und wirklich jeder konnte die Songs mitsingen, oder auch "mitstottern".

EAV (Credit: Peter Sommer) "Ba-Ba-Ba-Banküberfall oder "Ma-Ma-Märchenprinz", die Textsicherheit reichte von Kindern bis hin zu deren Eltern. Und selbst Oma und Opa konnten diesen fremdartigen aber wohlklingenden Klängen etwas abgewinnen. Das Textverständnis hingegen blieb jedoch manchmal auf der Strecke. War doch die Musik so schön eingängig in tolle Rhythmen und Melodien verpackt. Den heutigen Erwachsenen und einstigen "EAV-Kindern" erschließt sich oft erst jetzt die Ernsthaftigkeit und Themenvielfalt der EAV, die mit Mastermind und Kreativ-Genie Thomas Spitzer einen Text- und Songschreiber hat, der seinesgleichen sucht. Thomas Spitzer (62), Gründungsmitglied und EAV-Frontmann und Sänger Klaus Eberhartinger (65), der seit 1981 die Bühne verunsichert, sind bis heute das kongeniale "EAV-Gespann".

Mit "Burli" veröffentlichte die EAV 1988 eine Single, die auf sehr bitterböse und humorvoll ironische Art und Weise die Folgen eines atomaren Super-Gaus beschreibt. Behinderten-Verbände standen Kopf und warfen der Band vor, sie würde die Würde von Behinderten verletzen. In den Neunzigern erreichte die Gruppe den Zenit ihres Erfolges und lieferte mit der "Neppomuk-Tour" ein Kostüm- und Aufwands-Spektakel der besonderen Art ab. Einmalig, unübertroffen und unvergeßlich. Danach wurde es ruhiger am Himmel der Truppe, die es wie kaum eine andere schaffte absoluten Nonsens und ernste und gut widergespigelte gesellschaftskritische Songs nebeneinander bestehen zu lassen. Weg war die "Erste Allgemeine Verunsicherung" aber nie. In unterschiedlichen Besetzungen versuchte die EAV sich immer wieder (neu) zu (er-)finden. 2003 erschien mit dem provokanten Titel "Frauenluder" ein Album, in dem sich die Band wieder mehr "back to the roots" zeigte. Von allem ein bißchen mehr: Böser, satirischer, rockiger.

2005 gelang den Österreichern ein großes sogenanntes Comeback, wobei ein Comeback ja eigentlich etwas beschreibt, was wiederkommt. Da die EAV aber nie wirklich weg war, konnte sie eigentlich auch kein Comeback haben. Und dennoch gelang ihr dieses "Phänomen": Mit "100 Jahre EAV - Ihr habt es so gewollt". Weil die Zeiten jedoch härter werden und die Welt nicht so schön heile ist wie in der "Margarine-Werbung" EAV (Credit: Peter Sommer)im Fernsehen, schlägt die EAV 2010 erneut ernstere und bösere Töne an und rechnet auf dem Album "Neue Helden (braucht das Land)..." u.a. mit der Verblödung im "Trottel-TV" lustig in EAV-Manier ab. "...dieses Land braucht keine Dichter, keine Bildung, keine Kunst - es wird erhellt durch Lafers Lichter und ist beseelt vom Zwiebeldunst..."

Gut fünf Jahre später, 2015, erscheint das aktuelle Album "Werwolf-Attacke (Monsterball ist überall)". Songschreiber Thomas Spitzer beweist mit diesem Album, daß eine Steigerung seines Könnens Worte und Sätze zusammenzubringen, die man normalerweise so nicht aneinanderreihen würde, daß es gut ist, seinen eigenen Weg zu gehen. "...Micky Maus, Holocaust, Stacheldraht, Panzerfaust, Buchenwald du läßt mich kalt - Schuld ist wer die Rechnung zahlt - Pfeif drauf..." Oder an anderer Stelle: "...Vatikan, Taliban, Politik geht mich nichtts an - dafür bin ich taub und blind, solang' ich zum Kühlschrank find'... Pfeif drauf" "Werwolf-Attacke" ist ein besonderes Album und beweist abermals, daß die EAV mehr ist als die viel beschriebene und oft mißverstandene Blödeltruppe und Klamaukband. Das Phänomen EAV ist wohl das gleiche, wie das des Lebens an sich. Irgendwo wird gelacht. Irgendwo wird geweint.


EAV (Credit: Peter Sommer) Das Eine schließt das Andere nicht aus. Und genau das ist die EAV in ihrer Musik. Sie bezieht Stellung und legt den Finger in die Wunde. Und kann schon im nächsten Moment mit einer "Fata Morgana" unterwegs sein. Wer in diesem Song einen Sinn sucht, sucht ihn vergebens.

EAV verbindet mit ihrer Musik Generationen und hat unvergessene Klassiker geschaffen, wie u.a. "Küß' die Hand schöne Frau", "Burli", "Ding Dong" oder "Einmal möchte ich ein Böser sein". Irgendwie läßt sich das Phänomen EAV nicht in Worte fassen. In einem Satz könnte man jedoch folgende Beschreibung versuchen: Außergewöhnliche Konzerte, in der Musik auf Satire trifft oder Nonsens auf Gesellschaftskritik. Zum Beispiel. Wie auch immer. Im Song "Hunger" auf "Werwolf-Attacke" heißt es: "Schnudldidlhap". Tja, "Schnudldidlhap" - dem ist nichts hinzuzufügen. All das ist EAV und noch viel mehr...

Daniela Herbig


Hinweis
Viele aktuelle Informationen über Klaus Eberhartinger und die EAV gibt es auch auf der Fanseite von Daniela Herbig unter: http://www.dalila-light.de/klaus-eberhartinger-fanseite/

Link zum Download des aktuellen Albums bei Amazon
http://www.amazon.de/gp/product/B00QUDN6EI

Text: Daniela Herbig
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Peter Sommer (www.fotopress-sommer.at)






Dieser Artikel stammt von RADIO fresh80s
http://www.fresh80s.de