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CD-Tipp : Sting - Melancholische Winterreise
Dieser Artikel wurde am 15.10.2009 veröffentlicht


Melancholische Winterreise

In den letzten fünf Jahren hat er ein elektroniklastiges Pop-Album veröffentlicht, ist tief in die Lautenmusik des elisabethanischen England eingetaucht, und hat mit einer groß angelegten Comeback-Tournee seiner Band „The Police“ Millionen von Menschen erreicht. Jetzt, im Oktober 2009, meldet Sting sich mit „If on a winter’s night…“, einem Themenalbum über die kalte Jahreszeit, wieder zurück. Für die Umsetzung dieses Projekts, das in Deutschland am 23.10.09 auf „Deutsche Grammophon“ erschien, sicherte sich der 58jährige Brite die Dienste diverser Musiker sowohl aus dem Klassik- wie auch dem Folk-Genre. Dabei entsteht ein weiteres Mal ein neuer, unverwechselbarer Sound mit viel Tiefe und zu weiten Teilen noch mehr Melancholie.








Für die Folk-Elemente sorgen primär Kathryn Tickell an Violine und Dudelsack, Julian Sutton am Melodeon und Mary MacMaster an der Harfe. Sie alle stammen wie Sting aus der Gegend um Newcastle in Nordostengland und sind der dortigen traditionellen Musik deutlich hörbar verbunden. Eher den Klassikfans vertraut sind die Namen von Daniel Hope (Violine) und Vincent Ségal (Cello), während das Vokal-Ensemble „Stile Antico“ bereits durch das gemeinsame Lautenprogramm Bühnenerfahrung mit Sting aufweisen kann. Alle Fäden in der Hand hält Produzent und Dirigent Robert Sadin, der unter anderem auch bereits mit Herbie Hancock und Stevie Wonder zusammengearbeitet hat, und mit viel Leidenschaft sicherstellt, dass beide musikalischen Welten nicht aufeinander prallen, sondern zärtlich miteinander verschmelzen.

Zwar fehlt es den 15 Titeln des Albums nicht an Abwechslung. Eine insgesamt durchgängig besinnliche Grundstimmung lässt sich jedoch nicht abstreiten. Nur höchst selten zieht das Tempo der Balladen einmal merklich an, wie zum Beispiel bei „Soul Cake“, in dem die Begründung der britischen Halloween-Tradition besungen wird. Andere, sehr spärlich arrangierte Songs wie das aus Newcastle stammende „The snow, it melts the soonest“ oder der „Cold Song“ scheinen alleine von Stings Stimme getragen zu werden – und drohen darüber bei all seiner gesanglichen Qualität und Eindringlichkeit beinah permanent abzustürzen.

Mit „Gabriel’s message“, „Lullabye for an anxious child“ und „The hounds of winter“ sind drei Titel enthalten, die Sting bereits früher in anderen Versionen veröffentlicht hat. Insbesondere letzteres Stück, ursprünglich erschienen auf dem Album „Mercury Falling“, stellt in seiner neuen Folk-Version eine wahre Bereicherung der CD dar und kommt allein durch die neue Instrumentierung mit Melodeon, Geige und Cello als beherrschende Klänge in völlig neuem Gewand daher. Der „Hurdy-gurdy man“ repräsentiert Stings höchstpersönliche, etwas freie Übersetzung des „Leiermanns“ aus Franz Schuberts „Winterreise“, und ist als solche außerordentlich gut gelungen. Auch wenn „If on a winter’s night…“ ausdrücklich kein Weihnachtsalbum sein soll, finden sich mit der englischsprachigen Version von „Es ist ein‘ Ros‘ entsprungen“ oder „Christmas at sea“ zumindest vereinzelte Stücke, in denen die Geburt Christi thematisiert wird.

Die Qualität der Aufnahmen ist auf gewohnt hohem Niveau, wobei es sich deutlich auszuzahlen scheint, dass die vielen verschiedenen Instrumente nicht generisch einzeln, sondern überwiegend im Ensemble festgehalten wurden. So kommt in Verbindung mit der Verwendung zumeist akustischer Instrumente teilweise fast schon eine Live-Atmosphäre auf. Komfortabel kommt das Booklet der CD mit einem sehr ausführlichen Vorwort von Sting daher, das ebenso wie die kompletten Liedtexte auch in deutscher und französischer Übersetzung vorliegt. Das Winteralbum ist ebenfalls in einer Special Edition mit zwei Bonus-Songs sowie einer DVD mit einem „Making of“ des Projekts erhältlich.



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